Ein Bastelbass, zwei Multimeter und eine Erkenntnis
„Arbeite lieber an deinem Timing“ wäre der Satz, den mir meine Basslehrerin sagen würde. Beim Modden einer Bassgitarre habe ich zwei Multimeter miteinander verglichen und bin dabei über eine simple Erkenntnis gestolpert: Messungen allein erzählen nie die ganze Geschichte. Ein kurzer Text über Bass-Mods, praxisnahe Messungen und warum es nach wie vor wichtig ist, eine Schaltung zu verstehen.
Tatsächlich heisst der Bass, um den es hier geht, sogar „Bastelbass“. Daneben besitze ich noch einen Bass von „Humanbase“, den ich niemals verändern würde, weil er aus meiner Sicht ein echtes Kunstwerk ist. Der Humanbase ist nicht nur ein großartiges Instrument zum Spielen, sondern auch mein Sicherheitsnetz, falls eine meiner Modding-Ideen schiefgeht; zum Beispiel mein Versuch, die Hals-Korpus-Verbindung mit Maschinenschrauben zu verbessern. Das hätte den Bass fast zerstört, weshalb ich auch dringend davon abraten würde, so etwas zu tun. Denn Ahorn ist ein sehr hartes Holz und entsprechend schwierig zu bearbeiten.
Mein aktuelles kleines „Forschungsprojekt“ drehte sich um die Auswahl verschiedener Tonkondensatoren. Grundsätzlich gilt: Je höher der Kapazitätswert, desto „vintagiger“ der Klang. Für Bassgitarren sind 47 nF üblich, für herkömmliche E-Gitarren meist 22 nF, und für einen sehr klassischen Vintage-Bass-Sound werden teilweise sogar 68-nF-Kondensatoren verwendet. Kombiniert man einen 22-nF- und einen 47-nF-Kondensator über einen „On-On-On“-Schalter, lassen sich die Werte 22 nF, 47 nF und 69 nF auswählen. Der höchste Wert entsteht, wenn beide Kondensatoren parallel geschaltet sind. Das entspricht der mittleren Stellung eines solchen Schalters.
Natürlich wollte ich überprüfen, ob ich die Kondensatoren korrekt in meine „On-On-On“-Schaltung eingelötet hatte. Das hätte ich mit einem LCR-Messgerät wie dem HIOKI IM3533 oder sogar mit einem Impedanzanalysator wie dem IM3570 tun können. Ein gutes Allzweck-Digitalmultimeter liefert hier allerdings das gleiche Ergebnis.
Ganz im Sinne der bekannten Dart-Szene aus „Ted Lasso“ („Be curious, not judgmental“) habe ich mich entschieden, die Kondensatoren mit zwei sehr unterschiedlichen Geräten zu messen: mit HIOKIs hochwertigstem Handmultimeter, dem DT4282, und mit einem Modell aus der „Pocket“-Klasse der DMMs, dem DT4224.
Der Hintergrund für diesen Vergleich ist der Eingangsschutz des DT4224. Bei Widerstands- oder Kapazitätsmessungen arbeitet der Messeingang niederohmig. Ist das Multimeter jedoch versehentlich auf Widerstands- oder Kapazitätsmessung eingestellt und jemand versucht damit, eine Netzspannung zu messen, würde der FI-Schutzschalter dieses Stromkreises sehr wahrscheinlich auslösen. In meinem Keller wäre das kein großes Problem, in einer laufenden Produktionsanlage jedoch schon.
Um dieses Szenario zu vermeiden, prüft das DT4224 (wie auch sein Schwestermodell DT4223) zunächst im hochohmigen Modus, ob eine Spannung anliegt. Erst wenn keine Spannung erkannt wird, wechselt das Multimeter für die Widerstands- oder Kapazitätsmessung in einen niederohmigen Messmodus. Diese zusätzliche Prüfung benötigt natürlich etwas Zeit, und ich war neugierig, ob man das im Alltag bemerkt.
Man merkt es – spürbar. Das DT4282 ist bei der Kapazitätsmessung klar schneller. Ich war allerdings nicht neugierig genug, um einen Versuchsaufbau zu entwickeln, mit dem sich exakt bestimmen ließe, wie viel schneller. Sagen wir so: Der praktische Unterschied war in etwa so groß wie der Unterschied in den Messergebnissen. Der 47-nF-Kondensator wurde vom kleinen DT4224 mit 48 nF gemessen, vom DT4282 mit 47,9 nF. Das bedeutet, dass es im praktischen Alltagsgebrauch keinen relevanten Unterschied gibt.
Was ich allerdings nicht erwartet hatte, war, dass diese kleine Messübung mich daran erinnern würde, warum das Verständnis einer Schaltung genauso wichtig ist wie das Messen einzelner Bauteile. An einem Punkt des Modding-Prozesses verhielt sich die Klangregelung meines Basses plötzlich wie ein Lautstärkeregler. Alle Bauteilwerte stimmten, die Lötstellen sahen gut aus, und auch die Messwerte des Multimeters waren völlig plausibel. Trotzdem war das Verhalten der Schaltung eindeutig falsch.
Die Ursache lag letztlich weder an den Kondensatoren noch am Potentiometer selbst, sondern an einer fehlenden Referenz: einer sauberen Masseverbindung am Volume-Potentiometer. Widerstands- oder Kapazitätsmessungen mit einem Multimeter arbeiten mit DC-Messsignalen, während der Bass mit Wechselspannungen im Audiobereich arbeitet. Ohne eine stabile Masse sahen die Messwerte zwar weiterhin „korrekt“ aus, die Schaltung selbst war jedoch praktisch schwebend. Sobald die Masseverbindung wieder korrekt hergestellt war, verhielt sich alles genau so, wie es sollte. Das war eine gute Erinnerung daran, dass das Messen einzelner Bauteile nur die halbe Wahrheit ist. Genauso wichtig ist es zu wissen, wo und was man eigentlich misst.
Was ist also das Fazit dieses Beitrags? Wer ein kleines, hochwertiges Digitalmultimeter sucht, wird mit dem DT4224 gut zurechtkommen. Gerade dann, wenn man sich nicht erinnern kann, wann man zuletzt mit einem Handmultimeter Strom gemessen hat. Es wurde übrigens nicht nur in Japan entwickelt, sondern wird dort auch gefertigt. Und ja, ich sollte wirklich mehr an meinem Timing arbeiten, statt solche Texte zu schreiben.